Deutsch in kleinen Schritten

Die Oberbadische, 10.01.2015 02:45 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Elke Gehrka und Ralf Ochs (hinten links) üben mit den Sprachschülern einfache deutsche Sätze..
Foto: Silvia Waßmer  Foto: Die Oberbadische

Lörrach. In kleinen Gruppen sitzen die Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren an mehreren Tischen im Gemeindehaus der Baptistengemeinde zusammen. Vor ihnen liegen Unterrichtsmaterialien in Form von Arbeitspapieren, die mit verschiedenen Bildern und Texten bedruckt sind. Sie sollen den Einstieg in die Deutsche Sprache erleichtern. Jede Gruppe wird von einem Lehrer unterrichtet.

Eine besondere Herausforderung sei die Heterogenität der Gruppe, sagt Karlheinz Berner, Mitglied der Baptistengemeinde und des Freundeskreis Asyl, der auch Sprachkurse gibt. Angeboten wird der Kurs seit November, jeweils montags und freitags. Das Spektrum unter den derzeit zehn Teilnehmern aus Gambia reiche dabei von drei Analphabeten bis zu einem in der Tourismusbranche tätig gewesenen Gambianer, der bereits etwas Deutsch könne. „Die Hauptschwierigkeit ist dieser Unterschied“, fügt er an.

„Wir arbeiten auf Grund des unterschiedlichen Bildungsstandards in Gruppen“, erklärt Uta Becht, die den Freitagsunterricht plant. Sie versuche, diesen so zu strukturieren, dass alle Asylbewerber daran teilnehmen können. Die Teilnehmer, die auf dem gleichen Level seien, würden dabei zusammengesetzt. „Es klappt echt super“, freut sie sich und ergänzt: „Die Männer sind sehr motiviert.“

Das Unterrichtsmaterial haben die ehrenamtlichen Lehrer größtenteils selbst erstellt. Dabei passten die meisten Materialien zum Anfangsbuch, erklärt Uta Becht. So haben Sie zum Beispiel Kärtchen auf denen die einzelnen Buchstaben abgedruckt sind, Schildchen mit Zahlen in Schriftform, Euroscheine und Münzen aus Schokolade und Papier oder bunte Dekosteine zum Zählen. Ein wichtiges Utensil sind auch die zusammengestellten Arbeitsblätter, mit denen verschiedenen Bereiche des täglichen Lebens simuliert werden können.

So lernen die Sprachschüler etwa beim Bäcker einzukaufen: „Was kostet das Brot?“, ist dabei nur eine der Fragen, die Uta Becht und ihre Lehrkollegen den wissbegierigen Männern aus Gambia beibringen.

„Der Kurs ist sehr gut“, sagt einer der Männer auf Englisch und demonstriert gleich seine neu errungenen deutschen Sprachkenntnisse, indem er sich mit Name, Alter und Herkunft vorstellt. Er erzählt, dass er seit zwei Monaten in Lörrach sei und räumt ein, dass es sehr schwer sei, Deutsch zu lernen. Er versuche es aber „step by step“, sagt er.

„Hier kann Individualität geboten werden. Dadurch lernen die Leute eine ganze Menge“, freut sich Karlheinz Berner über das ehrenamtliche Engagement seiner Mitstreiter des Freundeskreis Asyl und die Unterstützung des Projekts durch Dritte. So hatte etwa eine Lörracher Bürgerin das Lehrbuch „Berliner Platz“ gespendet, welches auch im Volkshochschulkurs verwendet wird.

Die katholische Kirchengemeinde hatte im Rahmen einer Caritas-Sammlung 2000 Euro erhalten, die nun an die Sprachförderung des Freundeskreis Asyl gingen. „Das Geld ist eins zu eins angekommen“, betont Diakon Ralf Ochs. Er hebt hervor, wie wichtig es sei, den Menschen weltoffen zu begegnen.

Und Pastor Jürgen Exner von der Baptistengemeinde freut sich, dass der Freundeskreis Asyl mit dem Deutsch- Sprachkurs ein Zeichen „für Integration und gegen Iniativen wie derzeit in Dresden“ setze.